views – im Geisterbücherdorf

Wortströme, Werbetexte, Gebrauchsanweisungen, Pinnummern, Formulare … Manchmal komme ich mir vor wie im strömenden Regen. Es prasselt auf mich ein, schnell, immerzu strömend und ich fühle mich bis auf die Haut durchweicht und zugetextet. Es ist die tägliche Routinekost unserer Zeit. Da wünsche ich mir eine Leerung. Papierkörbe bieten sich an, Wertstoffhöfe und Geister, welche den geleerten Raum bewohnen möchten. Mit Wörtern spielen, Grommolo-Gespräche und im Geist beginnt eine Systemerneuerung. Der Rechtschreibreform verdanke ich bereits eine gewisse Radikalität. Damals habe ichWeiterlesen

found

Der Kurzfilm found ist der zweite Film des No-Project. Er erzählt von zufällig Gefundenem, von Kunst und Müll, vom Entwerten – Verwerten – Neubewerten. Es ist die Geschichte eines alten Buches, das im Wertstoffhof entsorgt wird. Dort wird es gefunden, mitgenommen, gestaltet und neu bewertet. Das Buch wird zum Kunstbuch, zum Ausstelllungsobjekt. Es erfährt eine neue Wertschätzung. Da es ein Haushaltsbuch ist, geht es auch um Hausfrauen und andere Merkwürdige, alsda sind Schrate und Geister, die das Buch bewohnen, sowieWeiterlesen

HerbstZeitLos

HerbstZeitLos – Link Der dritte Kurzfilm ist fertig aus dem Projekt Vier Mal LebensKunst. Es ist ein Film vom Zugefallenen im Herbst, vom Geschriebenen, den Wörtern und Worten. Um in geheime Buchinnenräume vorzudringen, braucht es Werkzeuge. Da gilt es, damit sie sich öffnen, vielleicht transparenter werden, in die schmale Öffnung hineinzutanzen. Ich mache mich mit den Gerätschaften vertraut, dem Wildniswald, dem Stift, den Blättern. Die Sätze fallen von den Bäumen in die Hand, von da aufs Papier. Unter einem LaubhaufenWeiterlesen

Sprachbefühlung auf der Couch

Weil ich in meinem bayrischen Dialekt sehr zu Hause bin, erschliesst sich mir die große Bandbreite und Tiefe der bayrischen Spiritualität. Das Bayrische ist wirklich sehr spirituell.  Ganz ohne Schmarrn. Das war sogar Thema beim Heilerinnentreffen. Die prägnanten Sätze, das enorme Ausmaß an umfassendem Erkennen, Vielschichtiges auf den Punkt gebracht, kurz und bündig. Es is wia´s is. (Es ist, wie es ist). Das ist nicht wirklich übersetzbar, es braucht den Klang dazu. Tiefste spirituelle Erkenntnisse gepaart mit Klangzauber. Die bayrischenWeiterlesen

Was ist wirklich wirklich?

Mit Worten rufe ich, was ich einladen will. Und manchmal macht es einfach Spaß, Geschichten zu erfinden. Das erfrischt mich gerade so, wie im Sommer das Schmarrnbuch machen. Weil Facebook mir nicht glaubt, dass ich 104 Jahre alt bin – das ist das älteste, was man eingeben kann – muss ich ein Bild malen. Das mit dem Alter ist dann auch schon egal. Neue Identitäten, neue Blicke. Vielleicht ist es letztlich wahrer und stimmiger als das, was in Urkunden undWeiterlesen

Ich sammle Wörter und Augenblicke

Ich sammle nicht nur Augenblicke, sondern auch Wörter aus ganz verschiedenen Sprachen, die mir gefallen. Als ganz besondere Schätze baue ich sie in meinen Wortschatz ein. Für die Wortspielereien. Neue Wörter geben mir neue Assoziationen und erweitern meine Gedankenräume. Mein Bruder und ich haben eine Zeitlang zu unsere Mutter Mamuschka gesagt, weil wir es schön fanden. Nach Sibirien war Katalina meine Koschka und jetzt sind die Hendl Pipikas. So ein neuer Wortschatzsatz könnte dann heißen: Polka dotted Pipika und KoschkaWeiterlesen

Eine „DIE“-Schwalbe macht noch keinen Sprachsommer

Alltagssprache, Sprachräume. Wiesbaden, im Hotel der zwei Italienerinnen, Reisebuch – ich lese vorne den Standardsatz: Der Einfachheit halber und den Gepflogenheiten der deutschen Sprache folgend, wird die männliche Form verwendet. Gemeint sind natürlich alle. Dieser Satz ist extra für mich geschrieben. Er soll mir erklären, warum ich ab dann nicht mehr vorkomme und mich milde stimmen. Es gelingt nicht. Wir waren schon mal weiter, bewusster bei diesem Uraltthema. Also, back to the real basics. Ich fordere für mich als FrauWeiterlesen

Etiketten und Identitäten im Kleiderschrank

Die Etiketten durchforsten, im Mantel, den Jacken, auf der Schuhsohle. Meine Etiketten, meine Identitäten. Im Kleiderschrank, im Teatro di Vida, im Seminar, im Edeka-Stehcafé, im Stall. Was steht denn da jeweils drin? Label, Etiketten, Dokumente, Pässe, Identifikationsnummern und Wörter, dieses Wer-bin-ich. Ich habe richtig gute Etikettierungen, die Vita lebt davon. Alternativ, freigeistig, bewusst, das kommt doch gut. Ich merke, die ersten bereiten schon eine Reha-Box vor für manches Wort. Alternativ in Large, small Bohèmien, XXL Indie Nation und so weiter. EinWeiterlesen

Die versehrten Wörter

Um manche Wörter will ich mich kümmern. Es sind die entkräfteten, ausgelutschten, die missbrauchten, entwerteten, welche, die ihre Unschuld verloren haben, welche, die ich nicht mehr hören kann. Dafür habe ich verschiedenen Schachteln, gefütterte, abschließbare, große mit viel Freiraum, je nachdem, was die Wörter brauchen. Ich nehme Ute Schirans Impuls auf, lege sie rein und schicke sie auf Reha. Eines ist jetzt endgültig fällig. Hochfrequent. Ich schicke es auf Erholungsreise, weil es ein schnelles, billiges Wertewort geworden ist. Es dientWeiterlesen