Oans, zwoa, drei, transformiert is

Vor langer Zeit habe ich von einer seltsamen Technik der Karmareinigung gehört, aus dem buddhistischen Feld. Es ist ein mehrmaliges Lebensgeschichtenerzählen. Sowas wie eine narrative Transformationstechnik. Ich habe die Technik etwas abgewandelt und dazu einen Kurzfilm gemacht. Der Klick zum Film Bei mir geht es so: Man erzähle und schreibe die eigene Lebensgeschichte von der Geburt bis jetzt. Immer am Lebensfaden entlang – erinnern, was alles war, mit den Details, den Mustern, den Begegnungen. Die Kindheit durchwandern, die Feuer, an denenWeiterlesen

Geschichtenwege im Rollbuch

zum Rollbuchfilm Wenn es um Geschichten geht, dann taucht der Clan der Geschichtenerzählenden auf und mein Weg als Geschichtenerzählerin. Es ist einer meiner wichtigsten Clans. Deshalb kann ich das Wachsen der Geschichtenerzählerin und ihrer Medizin so genau erinnern. Als kleines Kind, mit der ganz jungen Geschichtenmedizin, habe ich sie vor allem den Tieren, meiner Mutter und den Puppen zukommen lassen. Dann haben mir meine Eltern ein Kasperltheater gekauft samt den Figuren. Wir haben diese je nach den Geschichten ändern müssen, immerWeiterlesen

Witterung aufnehmen

Es ist Herbst und die Ernte von mehreren Jahren ist eingemacht, in Form eines Buches, das von den Wegen der Wanderin im Grenzland erzählt. Über den Winter bekommt es noch Würze, wird gefeilt und verfeinert und wird im neuen Jahr in die Welt gehen. Und nun? Wie soll es weitergehen? Es spürt sich an wie in einen Nebel hineingehen. Dort sind die Bilder unscharf und alles verflüchtigt sich. Ungeduld ist hinderlich und dennoch da. Die Nase in den Wind heben,Weiterlesen

Heimat und die Brüche

Ich finde sie auf Reisen, in anderen Kulturen, in der Fremde. Die Heimatmomente, die plötzlich auftauchen, entdecke ich in seltsamen Winkeln, an Geisterorten und in speziellen Tempeln. Sie sind mir vertraut, wegen der Brüche, wegen des Schrägen, Merkwürdigen. Es sind die Momente, wenn sich Schmunzeln und Fragen mischen, wenn die Irritation kommt, wenn es uneindeutig wird. Vertraut sind mir die Orte, die nicht so leicht einzuordnen sind, weil sie Unterschiedliches beherbergen. Sie haben etwas Wildes. Dort zeigt sich die Närrinkraft.Weiterlesen

Heimatliches in den Clans

Längst haben sich die alten Clanstruktuen aufgelöst. Mein dynastischer Clan ist klein und er ist mir, bis auf meine engste Familie, fremd. Viel mehr spüre ich meine Beheimatung in anderen Clans. Im Clan der Künstlerinnen beispielsweise oder der Forschenden. Dort fühle ich mich verstanden, sie kennen die Themen, die Problematiken, die Ekstase. Einen Clan vermisse ich in meiner Nähe, den der Wölfe. Mit ihnen würde ich gerne zusammenkommen, Wolfsgeschichten austauschen, losziehen, in den langen Winternächten tanzen und spielen und RudelkräfteWeiterlesen

Pipola, das Rotklangfest

Zum Film „Pipola“ Pipola ist ein Sommerbrauch, bei dem der Sommer geehrt wird. In Gruppen stehen Menschen beisammen, drei, fünfzehn, manchmal bis zu sechzig. Sie gehen im Kreis und durchwandern viele Sommer. Sie laufen singend die Wege durch uralte, durch jüngere und kommende Sommer ab. Alle singen gleichzeitig. Sie geben dem, was sie sehen, Worte. Sie singen, was sie sehen. Sie singen und singen, das gehört zum Brauch. Das mutet seltsam an, wenn man es es noch nie gemacht hatWeiterlesen

Die Sprachheimat

Zum Minibuch „Sprachheimat“ Wo ist meine sprachliche Heimat? Die Muttersprache, die Sprache meiner Kindheit, die später erlernte an einem Ort, der Heimat geworden ist, die Mixtur aus allem? Je mehr ich verstanden habe, wie weit und frei mich die Beheimatung sein lässt, desto mehr liebe ich meinen Dialekt. Manchmal verwende ich ihn wie eine Geheimsprache – in Spanien oder in Bremen. Da kann ich lästern und Ungehöriges sagen und niemand versteht es. In der Sprachheimat kommt der Humor erst richtig zumWeiterlesen

Der Lebenskoffer

Unterwegs auf den großen Reisewegen des Lebens. In vertrauten Gefilden, in der Wildnis, durch Wüsten, über hohe Pässe, im Dorf herumspaziert – der Lebenskoffer ist dabei. Er füllt sich mit all den Geschichten, den Wandergeschichten, mit Lachen und Tränen, mit Erkenntnissen, mit allem Erfahrenen, mit den Berührungen der Jahreszeiten. In meinem Lebenskoffer ist eine Feuerkugel, sie ist gefüllt mit der Asche vieler Feuer, an denen ich gelernt und gelebt habe, an denen ich mich beheimatet habe und wieder weitergezogen bin,Weiterlesen

An Hua danzn

An Hua danzn (Den Hua tanzen) – zum Film Der Hua ist ein Frühlingstanz, ein Weißtanz, ein Geheimnis- und Hütetanz. (Für diejenigen, die neu hier sind – ich erfinde Bräuche, um das Brauchtum zu erfrischen.) Der Brauch geht so: Alle machen ein Weißbild mit einem geheimen Wunsch. In manchen Gegenden wird ein rundes Papier genommen, andernorts nimmt man ein rechteckiges oder quadratisches Blatt. Mit weißer Farbe wird symbolhaft der geheime Wunsch aufgemalt. Das Bild ist wie ein Wunschsame. Es wirdWeiterlesen

Heimat und die Wiederholung

zum Pixiebuch Heimat, das ist zig mal Wiederholtes. Vertraut, bekannt, oftmals erlebt, viele Male durchwandert. Lebensbegleitendes wie Feste, Rituale, Abläufe sind in vielen Zusammenhängen erkundet, genauso wie die Berührung von Frühling oder Schnee. Sie sind wiederkehrend und doch immer anders. So weiten sich die Jahresringe des Vertrauten, sich Wiederholenden. Es sind rhythmische Wiederholungen. In der Wiederholung liegt die Kraft – etwas festigt sich, prägt sich ein, intensiviert sich, sinkt hinein, bringt die Übung und das Können. Deshalb kommt die WiederholungWeiterlesen