Stealing Fire Stories – Geschichten vom Feuerstehlen

Zum Pixiebuch Die Feuerperle – Klick

Feuerstehlgeschichten werden am öftesten und vielfältigsten im nordamerikanischen Teil der Erde erzählt. Die Geschichten des Feuerstehlens inspirieren die Menschen, etwas zurückzustehlen, was ihnen genommen wurde oder was sie verloren haben, wie Vertrauen, Gesundheit, Heilsein und vieles mehr. Es sind Geschichten, die Aktivität und Beherztheit fordern. Es geht darum, sich aktiv um etwas Verlorenes oder Enteignetes zu bemühen. Manchmal ist es ein überlebenswichtiger Akt, etwas einzufordern und sich damit für neue Wege zu entscheiden. Die Metapher des Feuerstehlens zeigt variationsreich, wie gute Bedingungen für Ganzheit, Lebenskraft oder Heilsein geschaffen werden können.

Das Feuerstehlen ist manchmal notwendig, um aus einem gefährlichen Feld herauszukommen, in das man geraten ist – das der Selbstvorwürfe. Dort gibt es die Angst vor Strafen für irgendetwas, vor dem Scheitern im Gesunden, vor eigener Schuld, dort gibt es die hinderliche Passivität, den Glauben an ein Ausserhalb, das nicht veränderbar ist und manch anderes. In diesen Feldern können wir verlorengehen wie im Schneesturm. 

Die Feuerstehlgeschichten lassen eine Kraft in uns aufstehen, die es mit den Hindernisse aufnehmen kann. Auf einer Heilreise, wenn die Selbstzweifel kommen, lässt diese Kraft uns damit mutig umgehen. Geschichtenheilerinnen werden mit den Menschen eine Stealing Fire Story kreieren, denn im Erzählen schmilzt die vermeintliche Schuld. Es wird frühlingsmild. Das Verstehen keimt, dass so viele Wirkkräften zusammenspielen, die wir nicht kontrollieren können. Dass das Leben so komplex ist, dass Schuld in Bezug auf Krankheit ziemlich absurd und wenig erkenntnisdienlich ist. Die Indigenen sagen beispielsweise, wenn jemand krank ist, ist die ganze Gemeinschaft krank. Man drückt dann etwas für viele aus, vielleicht für die Erdengemeinschaft oder sogar noch größer gedacht. Ebenso wie unser Heilsein das Beziehungsgeflecht widerspiegelt. 

Wie helfen die Geschichten des Feuerstehlens? Sie sind wichtig, wenn es so aussieht, als ob wir ständig etwas verlieren – Liebste, Glück, Geld, Wohnorte, Heimat, Arbeit, Freude, Zuversicht, die Verbindung zu unserer Spiritualität, den magischen Faden, Gesundheit, Humor. Das Feuer steht für vieles. Es kann unser Seelenfeuer repräsentieren, unsere Sexualität, das Lachen, unsere Leidenschaft, unsere Kreativität mit ihrem Ausdruck, unsere Kraft und Lebensfreude, die Stimme, Tiere, Erbschaften, es kann für alles stehen. Wenn uns etwas enteignet wurde, gestohlen, dann, so die Geschichten, wäre es überlegenswert, es zurückzugewinnen. Zunächst braucht es Klarheit darüber, was verlorengegangen ist. Was wollen wir zurückgewinnen? Wir werden angespornt, es zurückzufordern. Nicht bittend oder unterwürfig, nein, sondern trickreich und bereit zu lügen, zu stehlen, zu vernebeln, mit allen Rafinessen heranzugehen. Wir brauchen nicht bitten, weil es uns immer gehört hat, weil es uns zusteht. Dafür braucht es einen rebellischen Geist. Das haben wir nie gelernt als Qualität und darin geübt sind wir schon dreimal nicht.

Interessant ist, dass die klassischen Stealing Fire Stories immer in einer größeren Gemeinschaft ablaufen, angeleitet von einem Tricksterwesen. Es braucht die Unterstützung der Gemeinschaft und ihr Zusammenspiel. Nur so können wir unser Feuer zurückholen. Wir müssen beim Feuerstehlen eine Reise machen im Wissen, dass wir die Arbeit tun müssen, weil es niemand für uns tut. Das Verlorene kommt auch nicht von selbst zurück und die Diebe rücken es meist nicht frei und willig heraus. Es braucht unseren Mut, unsere Beherztheit, unseren Einsatz. 

Da die Geschichten aus dem indigenen Feld von Trickstern wie Raben oder Kojoten geleitet werden, vertraue ich mich ihnen an. Sie suchen das Team aus, sie wissen wo und bei wem mein Feuer ist, das ich zurückgewinnen will. Ich verlasse mich auf ihre Kenntnis im Feuerstehlen und los geht´s.