Heimat und die Wiederholung

Heimat und Wiederholung

zum Pixiebuch

Heimat, das ist zig mal Wiederholtes. Vertraut, bekannt, oftmals erlebt, viele Male durchwandert. Lebensbegleitendes wie Feste, Rituale, Abläufe sind in vielen Zusammenhängen erkundet, genauso wie die Berührung von Frühling oder Schnee. Sie sind wiederkehrend und doch immer anders. So weiten sich die Jahresringe des Vertrauten, sich Wiederholenden. Es sind rhythmische Wiederholungen.
In der Wiederholung liegt die Kraft – etwas festigt sich, prägt sich ein, intensiviert sich, sinkt hinein, bringt die Übung und das Können. Deshalb kommt die Wiederholung in Kinderreimen oder magischen Formeln und Zauberspürchen vor. So wird es verinnerlicht. Das vertraute Gefühl und die Sicherheit wächst. Im besten Fall vergrößern sich die Bereiche des Beheimatetseins und sich Wohlfühlens und das lässt uns wachsen. Wenn ich etwas kenne, durch das Wiederholen, kann Vertrauen wachsen. Es gibt Zeiten, da will ich das sich Wiederholen ehren, die Kraft darin, das sich Vertiefen.
Wiederholung in Variation, liebgewonnene Routinen in verschiedenen Spielweisen. Heimat wächst und ist lebendig, wenn es immer wieder einen frischen Blick auf Vertrautes gibt, eine neue Sicht auf Altbekanntes. Dann bricht sich das Licht auf einmal anders, obwohl es, wie so oft, auf etwas fällt, das man gut kennt. Das lässt Heimat lebendig sein.
Wenn das nicht geschieht, dann kann sie erstarren, eng werden und klein, vielleicht bleibt sie in leeren Routinen stecken. Es braucht die Variationen von Vertrautem, die Bereitschaft für Veränderungen dessen, was Sicherheit gibt. Es ist die Verbindung von hüten, bewahren und frei geben, atmen lassen, es lebendig sein lassen. Es wird vertraut bleiben, erkennbar, so wie der Frühling, der auch bleibt, obwohl es einmal noch Schnee gibt und in einem anderen Jahr schon warm und blühend ist. Nach vielen erlebten Jahreszeiten, vielen Frühlingszeiten kennen wir sie in vielen Varianten und wissen, dass alle dazugehören und beispielsweise die Frühlingszeit ausmachen. Wenn Selbstverständlichkeit hereinwächst, wenn ich etwas kenne, dann kann meine Aufmerksamkeit auch woanders hin gehen, dann hebe ich den Blick und beginne, weiter zu schauen, über meinen Tellerrand, in die Ferne.
So gebiert sich die neue Tradition.