Die Nebelfrau vom Wessobrunner Buch

Die Nebelfrau vom Wessobrunner Buch – Zum Pixie

Die Nebelfrau

Heimat, da gehören die Sagen und das Brauchtum dazu. Bräuche und Heimatsagen zu erfinden, das ist ein bisschen wie wildern in einem Kuhstall mit heiligen Kühen. Ich glaube, das geht nur aus einem Beheimatetsein heraus, also wenn man den Stall und die heiligen Kühe gut kennt. Weil ich sie kenne, wage ich es zu wildern, um sie von innen heraus zu erfrischen, die Kultur. Ich will meine Heimat mitgestalten. Vielleicht ist das grundsätzlich die Türe ins Heimatfeld. Beteiligt sein im Kulturfeld, Teil davon, von mir mitgestaltet. So wirke ich auf dieses Feld. Vertraut sein mit dem mich Umgebenden oder mich vertraut machen und es aus dieser Vertrautheit heraus mitgestalten.
Heimat – ich gestalte sie mit. Meine Heimat ist selbstgemacht, von mir, von vielen. Auf diese Weise macht sie mich frei.

Ich erfinde eine Sage von der Nebelfrau und speise sie ein ins Sagenfeld.

Die Nebelfrau vom Wessobrunner Buch
In den Herbstmonaten, wenn die Nebel aufziehen, erinnern sich so manche an eine seltsame Begebenheit. Da sind sie im Wessobrunner Buch zwischen Hagenheim und Thaining einer weißen Nebelfrau mit einer Füchsin begegnet. Man sieht sie manchmal zusammen über die Lichtung schnüren.
In den Herbstmonaten streifen die Fähe und die Nebelfrau durch die Wälder. Man sagt, dass man ihnen niemals folgen darf, sonst verirrt man sich im Wald und findet oft tagelang nicht nach Hause. Wenn man sie sehen möchte, bedarf es des Abwartens. Man darf keine Eile haben. So sitzt man eine Zeitlang still, mit langer Weile und lauscht. Nur so geht es, dass man ihnen begegnet. Dann kann man ihre Gespräche hören. Sie scheinen dich nicht wahrzunehmen und doch ist das, was du hörst eine Antwort auf dringende Fragen. Es ist wichtig, sich ruhig zu verhalten, nichts zu fragen, nichts zu tun, sie gehen zu lassen, ohne ihnen nachzuschauen oder gar ihnen zu folgen und sich das Gehörte gut zu merken.
Ein besonderer Augenblick ist, wenn man sie lachen hört. Das gelingt bisweilen, wenn man bei hellem Mondschein auf der Lichtung den Häuslratz tanzt. Wenn sie in der Nähe sind und den Plattler sehen, dann lachen sie und das bringt Glück.
Wer im Wessobrunner Buch einem Fuchs begegnet, tut das mit großem Respekt, denn es könnte die mit der Nebelfrau befreundete Fähe sein. Man sagt, sie leben in einem Erdbau bei der einzigen Kiefer des Waldes, dort, wo der Wald schwer zugänglich ist.

Das ist eine Sage aus der Hagenheimer Gegend.

(Buch – Wald | Fähe – weiblicher Fuchs | schnüren – der Zickzackgang der Füchse | Häuslratz – ein Schuhplattler)