Heimat

Eine neue Pixiespur ist Heimat. Es ist auch eine alte Spur in meiner Arbeit. Verwurzelt fliegen erzählt viel davon, von den Wurzeln, dem Grounding, dem Beheimatet Sein.

Heimat – zum Buch

Heimat

Es gibt Zeiten, da ist das mit der Heimat weichgezeichneter, unschärfer, da lösen sich die festen Umrisse auf. So eine Zeit könnte es gerade sein, weil kaum jemand mehr ein Leben lang am Geburtsort und in festen Clans bleibt. Patchworkheimaten. Ich lese, dass der Plural beim Wort Heimat unüblich ist. Seltsam, ich kenne es für mich eher im Plural, Heimaten, die zusammen sowas wie Heimat ausmachen. Heimat, Felder des Vertrauten, dort, wo ich mich wiederfinde. Sie macht mich aus. Sie ist da, wo ich eingewöhnt bin und meinen Platz habe. Es ist mein Kulturwesenrevier, mein Lebensraum. Da, wo man mich versteht, wo ich mich entfalten kann. Heimat ist für mich auch Alltag, mein Lebenszusammenhang, mein sozialer Raum. Im Hämatli verwurzelt sein, im Homeland, im Native Land, im Mutterland. Heimat ist meine Homebase, von der aus ich die Welt erkunde. Heimat ist ein Gefühl.

Sie ist neben anderer Farbigkeit auch weiß-blau. Heimat hat einen Duft. Sie riecht nach frischem Heu. Sie hat einen Geschmack. Meine Heimat schmeckt nach Hollersaft und Apfekiacherl, nach Schafgarbe und Kartoffelsalat. Heimat ist der Jodel, das ist einer ihrer Klänge, genauso wie das Knistern vom Feuer. Der Schnee gehört zu meiner Heimat, der weiße Winter, die Jahreszeiten und die Highlands, die Seen und die Berge. Barfußgehen fühlt sich nach Heimat an. Heimat sind die Tiere, die Margarithen und der Löwenzahn. Katzen, das ist tiefste Heimat. Die Sprache gehört zu meiner Heimat, zum Mutterland. Es ist auch so ein Gemixe, ein sprachlicher Patchworkteppich, wie alles eigentlich, was die Heimat ausmacht. Menschen, sie machen ganz viel vom Beheimatet Sein aus. Es könnte noch lange so weitergehen.

Ich befühle den Teppich meiner Heimat, mit den Flicken, den Erinnerteilen, den großen schönen Flächen, dem Unterschiedlichen. Manches ist rauher, wilder, anderes ist weich und sanft, fliessend, in Erdtönen und dann gibt es die kleinen neonfarbenen Tupfer. Heimat ist viel, sie ist eine ganz wichtige Medizin in meinem Lebenskoffer.

Im Altai nähen die Menschen jemandem, der von zu Hause weggeht ein bisschen Artemisia ins Gewand oder geben ihm ein Säckchen davon mit auf die Reise. Artemisia begleitet die Menschen der Steppe immer. Wenn man über die Steppe geht oder reitet, dann entfaltet Artemisia diesen intensiven Duft, der so eindrücklich ist. Es ist der Duft des Landes, des Mutterlands. Von klein auf begleitet Artemisia mit ihrem Duft das Leben. Deshalb geht Artemisia auch mit auf Reisen. Wenn man Heimweh hat, dann riechen die Leute am mitgegebenen Artemisia und verbinden sich so mit ihrem Land, mit den Menschen, mit den Feuern, mit ihrer Heimat und dann ist es einem auf einmal leichter ums Herz.

So ein Heimatsäckchen, das mich an meine kraftvollen Wurzeln erinnert, an all das, was mich ausmacht, was mir Halt gibt, was mich beheimatet sein lässt im Leben, das ist eine feine Sache.