Eigenlob kräftigt

Lobpreisungen

Beim Sichten und Sortieren tauchen auch so richtig blöde Sätze auf, die irgendwann jemand ins Reisegepäck gelegt hat. Oft weiß ich gar nicht mehr wer und spüre sie auch nicht wirklich. Und doch, sie rutschen in Seitentaschen oder ganz nach unten und liegen halt doch drin, wenn auch meist unbemerkt. So ein Satz ist: „Eigenlob stinkt“. Das will überprüft werden.
Ich lobe mich und schnuppere. Nichts. Es ist eher ein feiner Duft in der Luft. Also mache ich weiter, ich lobpreise mich, wie ich es in späteren Jahren gelernt habe, so richtig satt. Schmunzeln, weil es Übungssache ist. Erstmal klingt es schon eigen mit einem Hauch von Befangenheit. Üben. Dann werden die Begriffe kräftiger, größer, stärker. Ich probiere es mit Superlativen, wie in der Werbung und lache. Das ist komisch und es geht.
Es ist ja nicht selbstverständlich, dass wir bis zu dem Punkt gekommen sind, an dem wir jetzt stehen. Wir haben Klippen erfolgreich umschifft, Wüsten durchwandert, unzählige Erfahrungen im Gepäck, wir wissen wie man über Pässe kommt und durch strenge Winter. Wir wissen, dass es immer wieder Frühling wird und vertrauen. Das ist so viel. Also keine falsche Bescheidenheit.

Stolz sein auf die, die ich bin und es sagen, mir gefallen, mich mögen für das, was ich tue. Selbstlob, das braucht es viel öfter, weil es sich auch saumäßig gut anfühlt nach ein bisschen Übung. Es könnte eine gute Gewohnheit sein, uns zu loben. Am Potenzial entlangsegeln. Wenn in Amerika jemand zu mir gesagt hat „You did it great“, dann fand ich das wie einen Kraftschub, auch wenn es da üblich ist, jemand positiv zu verstärken und sowas zu sagen. Ich könnte es immer wieder hören. Hier ist die Mangelorientierung stark und so sage ich es mir selbst, you did it great.

Wir könnten uns und anderen Orden verleihen, HeldInnengeschichten erzählen, uns in Wertschätzungspoesie üben, Lobgesänge kosten. Ich wünsche mir viel mehr Bardinnen und Barden, die uns besingen.
Eigenlob nährt, kräftigt, macht Freude und heilt.