Butoh | Die knöcherne Struktur

Den Körper befühlen, abklopfen, das Knochengerüst ertasten. Mehr und mehr werde ich mir der tragenden knöchernen Struktur bewusst. Ich sehe mich als Skelett tanzen. Das erinnert mich an schamanische und buddhistische Praktiken, an Sterberituale, an die Wachnacht der Visionssuche, an die School of Lost Borders.

Knochenweisheit

Knochentanz – das Klappern, Klacken, wenn Knochen oder Steine aneinander klicken. Stein und Bein, Stones and Bones. Im Knochentanz kommen viele Bilder – die Haut der Trommel mit Knochen zum Klingen bringen, steinzeitalte Klänge, der knochenähnliche Doppelschlegel der irischen Bodhrán, die Knochenflöte. Auf schamanischen Reisen, nach Zerstückelungen, bleiben wir manchmal für eine Zeit als Skelett im Nagual, was enorm kraftvoll ist.

Butoh - Knochentanz

In einem Interview bin ich mal gefragt worden, was ich sage, wenn mich jemand fragt: „Wer bist du?“ „Es käme darauf an, wer fragt. Wenn es ein Wesen von einem anderen Planeten ist, würde ich vielleicht sagen, ich bin eine, die eine knöcherne Struktur hat. Wenn mich das Gleiche einer vom Dorf fragt, bekäme er eine andere Antwort.“

Butoh - Knochentanz

Mein Tanz, der Tanz einer Knochenfrau. Ein Tanz von Närrin und Tödin? Wie sähe das aus? Unterste Schichten ertanzen, der Sensation im Körper nachspüren, der Bewegung nachschauen. Mich in meinem tiefen Menschkörpersein erfahren, hineintanzen in die Zonen der Knochenweisheit, uralter Erinnerung, Seinsessenz. Es ist fremd und alt und ein Lachen ist dort zu Hause.

Körpermalerei, Foto: Anke Rammé Firlefanz
Körpermalerei, Foto: Anke Rammé Firlefanz