Butoh | Gestaltwandel

Langsam tanzen wir uns in unsere animalische Natur und rufen einen Tiergeist. Vor ewigen Zeiten, nachdem wir die Meere verlassen, die Reiche der Amphibien durchwandert haben und auf dem Land heimisch geworden sind, haben wir einen Schwanz, einen Schweif oder eine Rute gehabt. Langsam beginnt sich das Steißbein zu verlängern, wird der kleine Fortsatz größer, wächst und wird zum Schwanz. Bei mir tauchen immer die Feloidea, die Katzenartigen auf.

Fotomontage

Wenn der Schwanz wächst, beginnt sich der gesamte Körper umzustellen, die Gangart, das Zentrum, von dem sie ausgeht, die Wahrnehmung. Der Blick verändert sich. Nach vorne gestellte Augen, wie bei allen Beutetieren. Augen, die fixieren können, die es für den Angriff braucht.

Butoh, Gestaltwandel

Die Aufmerksamkeit sinkt ins Becken, sprungbereit, schleichend, geschmeidig den Raum durchstreifen. Der Schwanz gibt ein gutes Gleichgewicht. Aus dem Wurzelchakra heraus gleitet die Bewegung durch die Wirbelschlange, hinauf bis in die Spitzen der Finger, in die Ballen, bis zu den Krallen, in die Augen hinein.

Schade, dass niemand meinen Schwanz sieht. Vor allem Katalina sollte ihn sehen, sie wäre beeindruckt.

Gestaltwandel

Auch in der Wirtschaft kann ich niemandem sagen, dass ich an einem Mittwoch vor vielen Jahren einen Feliden-Schwanz bekommen habe und mich seitdem, wenn ich eintauche, eine große Raubkatze tanzt. So bleibt es mein Geheimnis, dass es sie gibt und wann sie kommt. Leicht in die Knie gehen, in die Hüfte gleiten, meine Beuteinstinkte aktivieren und dann – Einkaufen gehen.

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