Butoh | Liquid

Heute ist Butoh dem Flüssigen gewidmet. Körperflüssigkeiten. Das Bewegliche, Veränderliche, die Gezeiten. Wir bestehen zum Großteil aus Wasser. Der Liquid-Butoh – schütteln, uns shaken wie einen Cocktail. Die Aussenhaut hält uns wie die Flasche ihren Inhalt. Flüssiges in einem Gefäß. Springen, wippen, hüpfen, mixen.

Liquid tanzen

Das Geräusch einer Mineralwasserflasche hören, die geschüttelt wird. Das ist der Sound zu dem wir tanzen. In die Magie von Liquid gehen.

Wir kommen aus dem Meer. Noch immer sind wir Wasserwesen. Je jünger wir sind, desto mehr. Zu Beginn unseres Lebens sind wir bis zu 80 Prozent aus Wasser. Im hohen Alter dann sind wir ungefähr zur Hälfte Wasserwesen. Es ist unsere Hauptsubstanz, wir sind liquid. Ich finde, dass wir dafür ganz schön fest, dicht und starr sind, in jeder Hinsicht.
Wasser, unsere Substanz, unsere Medizin, Lösungsmittel, Transportmittel, Wärmeregulator, Lebenselixier. Eine butohlange Zeit liquid sein – ganz ins Fliessen gehen, alles durchmischen, durchschütteln, langsam, zähfliessend, dann schnell und perlend. Rauschen, plätschern, strömen, gleiten. Weich, anpassungsfähig, geschmeidig, entgrenzend, schmelzend. Zu Schneeflocken werden und sanft auf die Erde fallen. Es ist gar nicht so leicht, lange in der Qualität meines Hauptelements zu sein und diese Essenz zu tanzen.

Flüssiges getanzt

Alltage. Ich lade das Wasser ein, mich zu tanzen, zu führen – beim Abendessen zum Beispiel. Wie erkläre ich es, dass ich zwischendurch einfach mal liquid werde, dass ich schmelze, unter den Tisch gleite, bis der Impuls zum „melting up“ kommt? Ich sage am Besten, dass keine Gefahr besteht, dass nur mehr eine kleine Wasserstelle von mir übrigbleibt oder ich im Abfluss wegfliesse, mit dem Regen davonziehe und auf eine Reise in den Gulli gehe. Das wird alle beruhigen.