Die Fährfrau und das Narrenschiff

Die Fährfrau und das Narrenschiff, auch sie kommen wieder, wie die Schrate. Vielleicht immer wieder oder immer mal wieder.

Narrenschiff auf hoher Wolkensee

Das Narrenschiff trägt ins Unbekannte. Es ist eine Fahrt ins Ungewisse. Die Gewässer sind unruhig, wir treiben in stürmischen Zeiten in einem schwer navigierbaren Gefährt durch kaum auslotbare Felder. Die Fährfrau kennt Leitsterne in diesen Gewässern, die vielleicht auf neuen, ungeahnten und passierbaren Routen hindurchleiten. Angst, dass die Ordnung zerfällt, kennt sie nicht.

Die geweihte Fährfrau

Die geweihte Fährfrau trägt mich hinein in die Nebel, hin zu uralten Geisterritualen, dorthin, wo widerstreitende Kräfte miteinander ringen und die MeisterInnen der Unordnung gefragt sind. Sie können sich in den Tanz mit den unsteten Mächten hineinbegeben, weil sie die Kräfte der Unordnung, das Ungezügelte kennen. Sie machen ihnen keine Angst. Die Fährfrau geleitet durch das Nicht-vorher-Sehbare.

Die geweihte Fährfau auf ihrer Reise durch die Nebel

Ich trage meine Fragen, meine Antwortlosigkeit, meine Ängste ins Land der Närrin, weil ich ihr vertraue als einer Kraft, die die Gesetze des Chaos, der Irritation, der vollkommenen Unordnung kennt. Ich vertraue ihrer subversiven Kraft, ihrem Spiel mit der Unordnung. Ich glaube, sie beherrscht die Mechanismen, denn sie hat mit der Instabilität der Ordnung, mit dem fragilen Gleichgewicht zu tun. Sie versteht es, mit den Dämonen zu sprechen, sie zu sehen, zu zähmen, zu wandeln. Immer mehr lerne ich von ihr, mich daran zu gewöhnen, dass etwas offen bleibt, nicht eingebunden in bekannte Ordnungen, dass es unübersichtlich ist.

Die Reise des Narrenschiffs

Auf der Flagge des Narrenschiffs ist das Zeichen der Veränderung. Das Zeichen alter nomadischer Kräfte, die im Unterwegssein beheimatet sind. Das Weltgeschehen ist unberechenbar, das ist so. Beizeiten fällt es nur mehr auf. Es braucht den Mut, fassungslos auf der Reling zu stehen und zu schauen, was um mich herum geschieht. Keine Fassung mehr.
Die Närrin ist an Bord, das beruhigt mich etwas. Immer wieder legt sie mir das Lachen ins Gepäck, das Lachen aus dem Herzen über mich und die Welt. „Was für eine Provokation in diesen Zeiten,“ sage ich. „Da hast du Recht.“ Kaskaden von Gelächter fallen wie Sternenstaub oder Asche herunter.