Geisterbücher

Geisterbücher

Manchmal mache ich schamanische Reisen, um mir ganz konkrete Arbeitsanleitungen geben zu lassen. Die letzte Anleitung war, in Scheunenflohmärkte zu gehen, alte Bücher zu suchen, sie zu entleeren und neu zu befüllen. Mit Schnipseln, Zeitschriftenfitzeln, drüberkrikseln. Einen Durchlauf, dann wieder was anderes machen. Nur nicht irgendwo einrichten. Es scheint wichtig zu sein im Moment, im Spielen und Experimentieren zu bleiben. No-Project. Kaum habe ich den roten Faden, ist der Durchlauf vorbei. Es sollten 13 Bücher sein, die Närrinzahl. Zu Hause beim Zählen waren es dann 15. Es zerschießt mir gerade jedes Konzept. 15 ist so gar keine besondere Zahl und ich will sie mir auch nicht schönreden. Bei den Schrättli-Postkarten hat es mir die 13 auch schon zerlegt, es sind aus Versehen 14 geworden. Auch da, kein Bedeutsamreden.

Geisterbücher. Ein bisschen ist es wie mit den Geisterdörfern. Die alten Geschichten und Wörter sind längst ausgezogen. Wind weht durch die Straßen. Die Geister wohnen in den leeren Büchern. Sie spielen mit den Resten der Buchstaben. Die Poesie hat sich verändert. Die Gesänge in den Straßen sind fremdartig. Die Buchfassaden haben neue Beschriftungen bekommen. Manch eine Behausung ist frisch gestrichen und abbröckelnde Stellen sind übertüncht worden. Buchstabenreste sind verrückt. Alte Wörter werden zerkocht, manches bekommt eine neue Würze. Ein Ei ist gefunden worden, eine Geschichte schläft darin. Sie ist bald ausgebrütet.

Durch Geschichtenstraßen ziehen, Wortfelder betreten, Begegnungen, Spurensuche. Der rote Faden ist neonrosa. Die poetische Steckenführung ist verwirrend.

Geisterbücher

Angesichts der wichtigen Dinge, die in der Welt passieren, frage ich mich schon, was die Geister sich dabei denken, mir solche Arbeitsanweisungen zu geben. Ich verstehe sie so wenig, wie ich das Geschehen in der Welt verstehe.