Eine Reise ins Land der Närrin

Eine seltsame Reise hat begonnen, damals, als die Schrate aufgetaucht sind, als Coyote zum Tanz eingeladen hat, als dann bei der Visionssuche die Coyoten immer da waren. Eigentlich hat die Reise vor vielen Jahren begonnen, als ich die Närrin gerufen habe. Damals hat sie sich noch sehr bedeckt gehalten. Mittlerweile ist sie hier eingezogen und wohnt dauerhaft im Haus. Viele Merkwürdigkeiten und seltsame Wesen sind mit ihr gekommen. So Art Crazy Wisdom Masters. Sie testen, unterweisen, provozieren, begleiten und sie führen immer tiefer hinein in das Land der Närrin. Das Ver-rückte, Seltsame, Skurrile, Schräge rutscht unmerklich heran und ins System. Es könnte uns guttun. An die Ränder der rationalen Welt tanzen, hinterfragen, den Raum weiten, uns Erlaubnisscheine ausstellen für den Eigensinn. Unverblümt, freifliegend, eigenbrötlerisch, un-verschämt im wahrsten Sinne, auch mal züntig und knotzelig, unperfekt und vieles mehr.

Bei mir sieht das gerade so aus: Vor langer Zeit habe ich mit kostbaren Materialien gearabeitet. Und ich habe mein Handwerk verstanden. Mittlerweile schieben sich mehr und mehr Abfallprodukte in meine Arbeiten, Schnipsel, Reste, in Scheunenflohmärkten Gefundenes.

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Das alleine ist es ja nicht, das machen viele. Und es kann sehr schön aussehen. Was aber, wenn nicht. Da höre ich „Schee is wos anders.“ (Schön ist was anderes.) Der rote Faden ist auch so ein Qualitätskriterium. Was, wenn es den nicht gibt. Keinen – scheinbar – roten Faden, nicht in der Arbeit, nicht im Leben. Da werden die Winde kühler. Der rote Faden im Unzusammenhängenden. Es arbeitet in mir, ich tanze in die Felder des Unperfekten. Am Material scheitern, schludern, die Fadensuche aufgegeben. Entspannung ist auch was anderes.

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Versteht das irgendjemand? Habe ich nicht längst die Bereiche der Sinnhaftigkeit verlassen? Sinn ist auch so ein Qualitätsmerkmal. Dialoge, innen und aussen. Stimmen aus dem Off, aus dem eigenen Lager, in mir, es ist fast wurscht. „Wos is na des? Reims dir zusammen. Womit verdiene ich mein Geld (Angstfelderfragen)? Mit Tierpflege. Na super, immer schon mein Traum. Da braucht dann niemand nix verstehen (bayrische Doppelverneinung). Was, wenn es ganz wirr wird, nur noch schmarrig, qualitativ so richtig schlecht, andererseits nicht krass und extrem genug? Also mittelmäßig unverständlich? Na und? Ich habe einen Ruf zu verlieren. Wer wollte frei werden? Du kannst nicht erleuchtet und frei werden, ohne, dass dir die ganzen Altlasten dahinschmelzen (neben dem „frei“ wollte ich nämlich auch „erleuchtet“ werden). Will ich dann wirklich noch frei und erleuchtet werden? Oder nur erleuchtet? Narrisch heilig oder wie?“. Es ist wie ein Firewall aus Bedenken-Ängsten-Glaubenssätzen, hinter die es zu gehen gilt.

Meine Bilder ausatmen. Das Bild von einer, die was Sinnvolles, Nachvollziehbares macht. Meine Plus-Minus-Liste erforschen: handwerklich ausgereift, nachvollziehbar, eigene Handschrift, perfekt, spirituell, wertvoll, bedeutsam, Wunder und Heilsames wirkend (die Hybris, jaja), erfolgreich … und dann: wirr, Pfusch, unperfekt, g´schlampert, geschludert, daneben, a oanziger Schmarrn … Aha. Das eine macht Druck, das andere Angst. Scheinsicherheit und freier Fall.

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Mit einem Fuß im Chaos. Mein Humor wird abgefragt, am Punkt meiner Heiligliste. Identitätsbeleuchtung. Was, wenn ich wirklich einmal auf der Weltbühne ankomme und dann so eine Art Witzfigur abgebe. Gruusig schön. In der Schachtel der Lost Images sieht es aus wie Kraut und Rüben. Und so spiele ich mit den Schnipseln von Bildern und Identitäten. Finde ich hier etwa den Lebenskunsttrick? So richtig eingestiegen in die ganzen Identitäten, sie befühlen, mit ihnen spielen, sie, mich, nicht so ernst nehmen, da hätte ich auf alle Fälle viel zu lachen. Coyote sagt: „Du bist doch manchmal so gerne eine Heilige, vielleicht hilft es dir, dass Clowning oder Fooling oder Identitätsjonglieren heilige Disziplinen sind.“
Ja dann …