Der Närrinruf

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Wichtiges beginnt oft mit einem Call. Wir hören einen Ruf. Irgendwann habe ich den Ruf der Närrin gehört. Es war ein Jodel. „Holler ou u dij!“ Wenn ich mit diesem Jodel rufe, schwinge ich mich hinein in das Feld der heiligen Clownin, ins Coyotefeld. Obwohl, bei Coyote wird der Jodel nochmal anders – höher, heller. Mit meinem Närrinruf verbinde ich mich und rufe ebendiese Kräfte. Lange Zeit ist es einfach passiert, ohne, dass ich wusste, was vor sich geht. Ich hätte es nicht benennen können.

Der Narrenruf ist bei allen unterschiedlich, auch bei verschiedenen Karnevalszünften. Da gibt es die seltsamsten Narrenrufe. Für mich als Nichtfaschingsfrau ist das sehr exotisch und doch auch wieder vertraut, wie aus einer tiefen, alten Schicht. Oftmals kommen die Hexen vor, wie bei „Wetterhexa, Hexawetter!“ oder „Bai Hexa!“, „Hima Hexa!“, „Panre Hexa!“. Dann gibt es Rufe mit Tierlauten. Geht es da um Gestaltwandel? „Gockelores Kikeriki!“ „Hipp hipp meck meck!“ „He-Muh!“ oder Eselslaute. Manche der gefundenen Narrenrufe kenne ich. „Alleh Hopp!“ zum Beispiel. Das hat meine Mutter zu uns KIndern gesagt, wenn wir aufbrechen sollten oder etwas beschleunigen. Mit einem Narrenruf hat sie uns also in Bewegung gebracht. Eine Freundin sagt immer „Heidenei!“, wenn sie staunt. Das ist ein Narrenruf aus der schwäbisch-alemannischen Fasnacht. Ich selbst benutze öfter „Halli-Galli!“, „Lari-Fari!“ oder „Hei-Jo!“. Allesamt Narrenrufe, ohne, dass es mir klar war. Während „Lei Lei Ma Gei!“ wie aus einer anderen Sprache klingt, ist „Ja verreck!“ und „Narrisch Guat!“ bayrischer Standard. Da wandern Narrenrufe in die Alltagssprache oder andersrum.

In den Zünften gibt es unzählige Rufe. „Narri-Narro, d´Schrättle sind do!“ (die Schrättlis und die Närrin, aha!). „Aha-Aha-Aha!“ (das Mantra des Staunens), „Ahoi!“ für´s Narrenschiff oder „Narri Narrum nimm nix krumm!“. Die Rufe werden im Fasching oder Karneval traditionell dreimal gerufen. Meine Mutter hat uns das als Kinder auch beigebracht. Wenn´s wichtig ist, dreimal. „Sag´s dreimal, dann ist es fest. Frag dreimal, dann bekommst du sicher eine Antwort. Dann wird klar, dass du es ernst meinst, das trägt. Immer dreimal.“ Das waren ihre Unterweisungen im magischen Handwerk.

Wir haben alle einen ganz besonderen Närrin-, Narrenruf, einen unverkennbaren Klang. Gerne würde ich sie hören, einzeln und dann so, wie das Heulen der Coyoten oder Wölfe im Rudel. Ein großes Lied, ein großer Klang der heiligen Clowninkraft, der wildweisen Närrin. Und ich schicke meinen Jodel dazu. Vielleicht kommt die Fährfrau, das Narrenschiff, vielleicht taucht Coyote auf, vielleicht lädt die Närrin dann ein zum Tanz.