Was ist meine Medizin?

Was bin ich und was nicht, was gehört zu mir, was nicht. Vielleicht ist das eine Qualität des Alters, genau das immer besser zu wissen und verfeinert zu haben. Und auch, nichts sein zu müssen, was ich nicht bin.

Eine kleine Geschichte gehört dazu. Moritz, mein Katerfreund von der Löwen-Christa, der Dorfwirtin, braucht gerade medizinische Unterstützung. Der Tierarzt hat uns zehn Spritzen in die Hand gedrückt, erklärt wie es geht und gemeint, wir seien doch recht g´standene Frauen, das bekämen wir hin. Tief durchatmen, meinen Mut zusammennehmen und mit der Christa zusammen die Spritzenkur machen. Ich bin stolz auf mich, weil ich es tue und es so eine große Herausforderung ist. Ich erkenne auch an, dass ich manches mache, weil es nicht anders geht und, dass es dennoch nicht meine Medizin ist. Ärztin bin ich wirklich keine.
Jetzt sei der Tierarzt dran, meinte Christa, „ich erkläre ihm kurz, wie man einen Schweinsbraten für zwanzig Leute macht, ist ja ganz einfach, und dann soll er mal schauen. Wir spritzen ja auch.“ Mit den Wirtinnen kann ich mich immer sehr gut amüsieren.
G´standen eben, das gefällt mir.

Die eigene Medizin kennen. Was ist meine Medizin? Seit ich bei bestimmten Themen, Methoden, Wegen einfach sagen kann, das mache ich nicht, das ist nicht meine Medizin, bin ich recht entspannt. Da brauche ich nicht alles abdecken, nicht alles können und machen und anbieten. Es reicht, wenn ich meine ganz eigene Medizin anbiete. Manche von uns haben Breitbandmedizinen, andere etwas für sehr spezielle Angelegenheiten, sie sind gleich wertig, halt einfach anders. Wichtig ist für mich nur, dass ich Meines kenne.