Die Schwellen markieren

Jetzt gehe ich seit über einem Jahr im Blog für die Verwischung der festen Grenzen. Und ich finde, dass es wirklich wichtig ist, uns das Schamanische, das Spirituelle wieder hereinzuholen in alle Tage, den Blick zu schärfen dafür, dass es nicht irgendwo und ganz woanders ist, sondern wir immer damit verbunden sind. Und nun komme ich an bestimmten Punkten genau dahin, dass ich schärfere Schwellenmarkierungen brauche und die Verwischung hinderlich finde. Paradox. Einmal ist die Grenzverwischung wichtig und einmal braucht es das klare Markieren.
Die Fallen können beispielsweise aufgehen, wenn sich Freundschafts- und Professionsebenen vermischen, ohne, dass es gekennzeichnet ist und bewusst wird. Für mich und die anderen ist eine Kennung hilfreich. „Die Schwellen zu markieren ist wichtig und es gehört sogar in deine Verantwortung, wenn du in deine Profession gehst,“ hat eine Freundin gesagt. Erst dann könne ich in aller Tiefe an das Feuer meiner Profession gehen und auch wieder zurück. Und es ist klargestellt, wie heiß dieses Feuer eventuell ist. Weil wir kein schamanisches Infofeld haben in unserer Gesellschaft, braucht es viel mehr Klarstellung.
Wie markiere ich die Schwellen? Das kann ein Klang sein, das Anzünden einer Kerze oder das Anlegen von Ketten, Kopfbedeckung, bestimmten Kleidungsstücken. Am liebsten mag ich Ketten und schnelle Überwürfe. Gürtel sind auch recht praktisch. Dann ist klar, dass ich mich mit meinen Spirits verbinde und, dass ich dann eine ganz bestimmte Arbeit mache. Irgendwann gehe ich wieder über die Schwelle zurück, indem ich das Gewand oder die Kette ablege oder die Glocke klingen lasse. Das, was ich beim Eintritt auch gemacht habe. Damit ist klar, ich bin wieder da als Freundin, sage Schmarrn, bin unperfekt, weiß auch nicht unbedingt weise Dinge, all das.
Wenn dann eine Blume, etwas Essbares, ein Energieausgleich auf meinen Altar gelegt wird für meine Spirits, dann stimmt es und macht den Weg weit und frei für alle.

Gewandungen bieten sich an, um über Schwellen zu gehen. Wenn ich weiß, dass ich nicht mehr weggehe, nicht mehr arbeite und nur noch Chillzeit ist, dann ziehe ich eine viel zu große Schlumpfhose an. Optisch ist sie jenseits des Diskutablen. Damit wollte ich nicht mal die Haustüre aufmachen müssen. Ich bilde sie deshalb auch nicht ab. Es ist eine Art Jogginghose, die mich alleine beim Gedanken, sie anzuziehen, erfreut. Weil mein System das Umziehen sofort versteht, trägt sie mich schnell über die Schwelle in die Auszeit.
Malkleidung signalisiert, dass ich im Raum der Kunst bin und mich auch vollkleckern kann oder keine Unterbrechung will.
Mit meinem Dirndl gehe ich über eine andere Schwelle, in ein Feld des Supersichtbarseins, des lustvollen Strahlens. Dort ist Bewegtheit, Farbigkeit, Selbstverständnis. Damit tanze ich die Fülle des Lebens.