España mixed

Ich bin eine Schürzenjägerin, im wahrsten Sinne des Wortes. Hier gibt es raffinierte Kittelschürzenmodelle. Auf den Vendimiafotos sind einige zu sehen. Besen und Kittelschürzen liebe ich und finde, dass sie ideale Ritualgewänder sind. Dort, wo Kittelschürzen getragen werden, wissen die Leute auch etwas über die Meigas, die nordspanischen Druidinnen und Heilerinnen. Die Meigas tragen sie gerne bei ihrer Arbeit. Die blau-weiß-karierten Modelle finde ich besonders ansprechend, sie erinnern mich an den bayrischen Himmel.

Zusammen Paellakochen. Zusammen essen. Überall auf der Welt hat das eine große Wichtigkeit. Ernte teilen auch. Hier reden alle davon, dass Deutschland mit den Schwesterstaaten Europas in der Krise so großzügig teilt. Sie setzen auf uns und finden das wunderbar. Deshalb mag auch niemand Kritik von uns an Deutschland hören und auch nicht, dass bei uns nicht alles rosig und wunderbar ist.
Das Gemeinsame und das Teilen – mit der Bevölkerung und nicht mit Banken und Spekulanten – gefällt mir und ich sehe uns in Zukunft wieder zusammen zu den wilden Obstbäumen gehen und die Äpfel, Birnen und Zwetschgen auflesen, anstatt sie liegenzulassen, weil es alles im Supermarkt gibt. Die großen Maisspeicher, die Hórreos könnten genutzt werden, um für die Dorfgemeinschaft was einzulagern, für diejenigen, die nicht genug haben. Es gäbe schon viele Ideen. Die Kriterien, nach denen Menschen und Länder beurteilt werden, kranken. Was ist denn wirklich wichtig? Wie zufrieden und glücklich lebe ich? Verstehe ich es, mich von dem Land zu ernähren, mit wenig zufrieden zu sein, mich mit den Leuten zusammenzusetzen und unsere Weisheiten auszutauschen, alles in eine Suppe zu geben und gemeinsam zu essen? Können wir miteinander tanzen und lachen? Macht es mir Freude, meine Ernte zu teilen? Das wären doch mal Kriterien.
Die Ernte des Herbstes ist reich dieses Jahr, die Leute sind fröhlich – schau an.

Wichtige Fragen tauchen auf hier in Spanien. Und ich finde keine Antworten.
Warum werden eigentlich die Bettüberzüge so fest unter die Matratze gesteckt, dass sich beim Herausziehen alles auflöst und neu bezogen werden muss? Das war Frage Nummer eins. Eine andere ist: Wieso schaffen es hier in Spanien alle, wirklich alle Menschen, ein Bewusstsein dafür zu haben, ob sie eine Frau, ein Mann oder eine Katze sind? Ich merke es daran, dass sie Artikel und Adjektive richtig benutzen. Sie können Femininum und Maskulinum unterscheiden und auch gut anwenden. Das mit der Katze gelingt zusätzlich. „Ich bin eine (!), die (!) ihre (!) Paella aufgegessen hat.“ Und da war noch nicht einmal ein Adjektiv dabei.

Mich mit den Tieren vertraut machen. Viele sind vorsichtig, ängstlich, scheu. Ich übe die federleichten, behutsamen Begegnungen, nehme mir Zeit, besumme sie, flüstere, schicke ihnen meine Gedanken – dass sie mir vertrauen können und sich berühren lassen, wenn sie möchten. Es gelingt, immer besser, immer schneller. Ich schliesse anfangs die Augen, das hat mir Katalina beigebracht. „Alle, deren Augen nach vorne gerichtet sind, sind Angriffswesen, die mit den Augen seitlich fliehen lieber,“ hat sie gesagt. „Wenn du zeigen willst, dass du eine friedliche Katze bist, dann mach ein Auge zu, blinzle oder tu gleich so, als ob du am Einschlafen bist. Das wirkt harmlos.“ Sie hat mehr Ahnung als ich und deshalb mache ich es so. Blinzeln, Schnauben, zarte Berührung und auf einmal werde ich abgeschleckt. So entstehen Freundschaften, wir sind beide bereit, die Sprache der anderen zu lernen.

Jetzt sind die ruhigen Tage in der Wildnis und in der Bar. Ich träume mich in den Herbst am Ojo Guareña, einem meiner uralten Wildnisplätze. Wasser nimmt manches mit, erzählt, singt Lieder.