Herbsttagundnachtgleiche und die Ernte

Tag und Nacht sind übermorgen gleich gewichtet. Herbstpunkt. Ich schaue auf meinen Erntetisch. Vor einem Jahr habe ich beschlossen, das jetzige Jahr der Verwertung meiner reichen Ernte zu widmen. Ein Teil der Bilder, Reisen, Erfahrungen ist eingekocht, neu zusammengesetzt, hat Worte und Bilder bekommen und ist als Fotobuch, das es nur einmal gibt – einer Art Einweckglas – verwertet und konserviert. Ich habe Mus gemacht und Marmeladen, Vorträge und den Blog und immer noch liegt so viel auf dem Erntetisch. Es braucht eine Verlängerung der Verwertungswidmung.

Von Hannover bringe ich Geschenke mit, Äpfel, bei denen der Saft herausläuft, wenn man reinbeißt – einen Knopf aus Rentiergeweih vom Norden Norwegens – viele berührende Worte, die ans Feuer gesprochen wurden, Sommergeschichten und Herbstweisheiten.
Im Wind, am Feuer, im Bachrauschen und im Tanz des herunterfallenden Laubes war das Geheimnis des Sommers zu hören: „Es ist immer Sommer und die Lebendigkeit, die unbändige Lebensfreude und Wildheit des Sommers ist immer da, egal wie alt du bist oder wie eisig die Winterstürme sind.“ Manchmal scheint sich der Duft des Sommers verflüchtigt zu haben oder verloren zu sein. Dann gilt es vielleicht, sich an das Geheimnis des Sommers zu erinnern und dem Flüstern zu lauschen.

Mit Luisa im Tambosi und ihr neues Buch als Schatz mitgenommen. Die Schatzhüterin. Ich habe abends gleich gelesen, bin entzückt, weil es so wichtig, so lebendig, so gut ist. Die alten Märchen neu geschrieben, es ist sehr heilsam, es lässt mich manchmal schallend lachen und ich freue mich so, weil es enteignetes Geschichtenland zurückbringt. Ein feiner Faden, weil ich da gerade von meiner Mutter gekommen bin und mit ihr ganz zünftig lachend und Bier trinkend weit in die Nacht geratscht habe. Und meine Mutter mir immer die Bücher von Luisa aus der Stadt mitgebracht hat. Damals gab es ja kein Internet, da war es eine große Überraschung, wenn auf einmal in der Buchhandlung ein neues Buch lag. Es hat ihr Spaß gemacht, weil sie wusste, dass Luisas Bücher so wichtig sind für mich. „Ich bringe dir gerne was G´scheits mit,“ hat sie dann schmunzelnd gesagt.