Herbstweisheit

In Hannover beim Seminar. Herbstlandkarten erstellen, Erntetische bestaunen.

Die Sommerkraft ans innerste Feuer holen, damit sie uns in der Winterzeit nährt. Herbst sagt: Hast du deinen Sommer gut gelebt, wird der Winter gut zu dir sein. Loslassen, was in diesem Zyklus nicht vollendet werden kann. Was wollte ich und muss es nun loslassen, weil der Winter bevorsteht und es nicht mehr genügend Licht und Wärme gibt, damit es reift, wächst, blüht? Anerkennen, dass Wachstum abgeschlossen ist in diesem Zyklus. Die Knospe am Rosenstrauch wird nicht mehr aufblühen.
Am Morgen glitzern die Spinnweben. Wenn die Göttin Holle ihren Schleier auf Rosensträuchern trocknet und die feinen Fäden aus ihrer Spindel glitzernd in der Sonne des Altweibersommers durch die Lüfte fliegen, beginnt die Reise zu den Großmüttern. Die Schwalben sind schon fortgezogen, Spinnwebgespinste umfangen den Ausklang des Hirtinnensommers.

Herbsttagundnachtgleiche, Erntefest, das Einbringen der Herbstfrüchte und das Sammeln von Heilwurzeln steht ins Haus. Es ist die beginnende Zeit der Wurzelkraft, in der sich alles zurückzieht, die Lebenskraft in die Wurzeln geht. Winterzeit naht, Spinnzeit nimmt ihren Anfang in länger werdenden Nächten. Die Samen werden getrocknet und es sind kostbare Augenblicke, in Händen die Samen mit der Kraft der Pflanze und all den Möglichkeiten von Morgen zu halten. Ein großes Potential in den hunderten kleiner Samen, Altes und Neues im Ausgleich. Es ist nicht klar, was sie mir bringen, welche aufgehen, welche Früchte sie tragen und dennoch haben sie das gesamte Potenzial in sich. Über den Winter werde ich die Samen hüten.



Ich erinnere mich an die Geschichten der dicken Erntemutter, an die Bilder der Ähren- und Ernteköniginnen, mit Hopfenkronen, Blumengebinden oder Ähren festlich geschmückt. Kornfrauen, Gerstenweiber, Wurzelweiber, um die getanzt und gesungen wurde. Meine goldenen Gaben sind gefragt. An den Obstbäumen im Garten ließen wir als Kinder etwas hängen für die Tiere und die Geister. So wie die Roggenmuhme und die Weizenalte gebunden und auf den Feldern stehen gelassen wurden.

Nach einem langen, vollen Sommer finden wir uns ein im Kreis, die reiche Ernte feiernd, für die Fülle dankend. Herbstgerüche um uns, die Erde riecht nach Veränderung. Die Früchte unseres Tuns werden besungen und das, was wir verloren haben wird betrauert. Goldgelbe Kürbisse und unser Feuer leuchten in die Abenddämmerung hinein. Farbenpracht, Reichtum ist in unserer Mitte.