Türklopfer, Klingel und die feinen Unterschiede

Mit den Forscherinnen und Kartographinnen für Alltagszauber habe ich in der Blumenschule über die Art und Weise nachgedacht, wie wir Lebensräume betreten.
Klingelnd, klopfend – mit Türklopfer oder Hand – wie es ist, wenn Türen verschlossen sind, weil es in Großstädten gar nicht mehr anders geht oder wenn sie offen sind, wie es bei uns auf dem Land noch üblicher ist.

Wie anders gehe ich in ein Haus, wenn ich zuerst klopfe, dann die Haustüre aufmache, meinen Kopf reinstecke und rufe. Es ist behutsamer, ich betrete das Haus prozesshafter. Wenn ich in der Küche arbeite oder male, brauche ich nicht genervt beim Schrillen der Klingel alles fallenlassen, ich kann auf das Rufen reagieren. „Hier bin ich, komm hoch.“ Ich kann weitermachen, brauche nichts unterbrechen, die Besuchenden können sich dazustellen und selbst auch wieder gehen. Der Postbote legt die Pakete in den Flur. Offene Türen haben viele Vorteile. Die Schwelle ist weich, die Trennung zwischen Aussen und Innen verwischter, offener.
Sabine erzählt von alten Bräuchen, wenn jemand in den Hausgang Gute-Wunschgegenstände wirft, Glückshölzer, was für die Liebste, wie bei den Klopfertagen. In der Rauhnachtszeit standen die weißen Speisen für die Armen und die Geister, die umherziehen, für die Percht und ihre wilde Jagd im Hausflur. All das ist nur möglich, wenn die Haustüre offen ist, denn klingeln würden sie alle nicht.
Was mache ich also mit meiner sich selbst verschliessenden Haustüre? „Hinten offen lassen,“ sagt Katalina, „dann brauche ich auch nicht immer durch die blöde Katzenklappe gehen, die nicht dafür taugt, meine Würde zu unterstreichen.“ Hinten offen lassen ist gut, mit den Nachbarinnen funktioniert es sowieso schon.