Eine „DIE“-Schwalbe macht noch keinen Sprachsommer

Alltagssprache, Sprachräume. Wiesbaden, im Hotel der zwei Italienerinnen, Reisebuch – ich lese vorne den Standardsatz: Der Einfachheit halber und den Gepflogenheiten der deutschen Sprache folgend, wird die männliche Form verwendet. Gemeint sind natürlich alle.
Dieser Satz ist extra für mich geschrieben. Er soll mir erklären, warum ich ab dann nicht mehr vorkomme und mich milde stimmen. Es gelingt nicht. Wir waren schon mal weiter, bewusster bei diesem Uraltthema. Also, back to the real basics.



Ich fordere für mich als Frau einen sichtbaren und hörbaren Sprachraum. Ich will vorkommen. Das ist ja, wie wenn jemand sagt, fühl dich gemeint und dauernd einen anderen Namen zu mir sagt. Am Tragischsten finde ich, wenn Frauen für sich selbst keinen Sprachraum haben. Wenn eine von sich als Ich-bin-einer-der spricht. Tragisch, traurig, fragwürdig … und, basics, grammatikalisch falsch. Wieso passiert es nicht, dass der Satz gesagt wird: Meiner Katze lebt in ein Haus auf das Land. Kein Unterschied. Artikel und co. falsch gebraucht. So falsch wie: Die Natur ist der beste Lehrer.

Ich hole mir enteignetes Sprachland zurück. Ich habe keine Lust, nur immer mitgemeint zu sein. Ich finde es anstrengend, nervig und noch viel mehr, dauernd Grammatikfehler überhören zu müssen. Dann gleich Wildwuchsgerede, dann wird es wenigstens witzig und ich lande bei DADA. „Nur“ das Femininum nicht hinzubekommen, das glaube ich nicht. Natürlich geht um was anderes und um viel, viel mehr. Es ist auch nicht egal und kleinlich schon dreimal nicht. Ich finde Sprache hochpolitisch und ein mächtiges magisches Instrument. Mit Sprache webe ich Wirklichkeiten.