Die Kultur der Dorfläden

Der letzte Dorfladen hier macht zu. Es gibt die Idee, dass das Dorf einen aufmacht, getragen vom Kollektiv. Gemeinsam arbeiten, der Gemeinschaft geschenkte Stunden, zusammen etwas erwirtschaften. Real funktionierender Sozialismus in Bayern? Eine Art Musterdorf für Kollektiv und tragende Gemeinschaft? Wir-Gefühl? Solche Ideen hat unser Bürgermeister. Ich wäre dabei, hätte Lust darauf. Das Miteinander und die Erfahrung wäre der Gewinn für mich.
Die Dorfläden als soziale Treffpunkte. Bei uns früher, im Altai, in Kirgistan, Spanien … minimalistisch, karg und doch so reich. Und alle in Hellblau. Eloina in Spanien hatte so einen Laden. Er war Einkaufsstelle, Poststelle, Milchabholstelle, Bar, es gab Brot, das einzig öffentliche Telefon, alles Wichtige gab es. Der Laden hatte keinen Namen, Cruces haben die Leute gesagt. Kreuzung, weil er an einer Kreuzung liegt. Die Bar gibt es immer noch.


Eines Tages war alles himmelblau bei Eloina. Sie hatte einen riesigen Topf mit blauer Farbe gekauft und schon war es celeste – himmlisch. Bis auf die Zitronen. Lust auf so einen Laden hier bei uns. Erinnerungen. Es ist laut, die Kartenspielerinnen sind da. Die Männer spielen am Bahnhof, strikt getrennt. Der alte Ventilator quietscht, draussen bellen die Hunde. Musik gibt es keine, zu viel Stromverbrauch. Auch keine Eiswürfel. Es ist die einzige Bar ohne Eiswürfel. Eloina ist sehr sparsam. Im Stall die Toiletten, Eier von den herumlaufenden Hühnern, Besen hängen von der Decke und Schuhe. Ob sowas bei uns umsetzbar wäre? Damit könnten wir Fremde anlocken – so ein sozialistisch-bayrisch-altspanisch-inspiriertes Vorzeigeprojekt.