Créme Vital, Pesto Mental, ein Kilo Ichwert

Einkauf – Produkte, Werbesprüche. Endlose Regale und dreißig Sorten Essiggurken. Ich brauche nur eine. Vielzahl macht Einkauf kompliziert. Heimlich fotografieren, weil es eigentlich nicht erlaubt ist. Was brauche ich? Was will ich eigentlich erwerben? Einen Liter reine Glückseligkeit am besten, die so schmeckt wie Prosecco.



Wo sind die Fallen? Wieviel brauche ich wirklich? Was wandert in den Wagen, nur weil es mir was Besonderes verspricht? Was muss es mir versprechen, damit es in meinen Wagen wandert? Erfolgszwiebeln oder Alltagsweichspüler im Sparpack, Schönheitsjoghurt oder das Schlechte-Gewissen-Tilgungspaket, dieses Ich-tu-ja-was-und-bin-so bewusst-Produkt, um das Ich-tu-zu-wenig, Ich-sollte-müsste zu vertreiben. Diese Produktreihe finde ich dann im Biosupermarkt.

Ich lebe über die Verhältnisse der WeltenbürgerInnen. Diese Tatsache lasse ich mal so neben einem Regal stehen und schiebe den Wagen weiter. Konsum, das ist doch ein ehrliches Wort für einen Laden. Einkaufsgedanken. Ich würde gerne Produkte austauschen, umetikettieren und draufschreiben, was die geheimen Erwerbswünsche sein könnten – Schönheit, Elaste, Anerkennung, Individualität, lauter so Zeug. Ich könnte ja sagen, dass es ein Kunstprojekt ist.
Lebensqualität steigt, wenn ich in Erlebnisse, statt in Produkte investiere. Das war ein vor ganz langer Zeit aufgefischter Satz, der mich so bewegt hat, dass ich ihn mit Lippenstift auf den Spiegel schrieb und so ist es einer der Sätze geworden, die viel verändert haben in meinem Leben. Also werfe ich mich gleich mal auf den Einkaufswagen und sause den Gang entlang. Da gibt es geniale Rennstrecken und ich habe gute Techniken für die unterschiedlichen Wagenmodelle.
Und das Gefühl, wenn ich wieder mal eine Strecke lustvoll entlang gebraust bin, ist immer noch da, wenn ich meine Avocado schon längst gegessen habe.