Die Überraschungen der Tage

Sie kommen aus allen Richtungen, mit unterschiedlichen Gesichtern, die Überraschungen. Ein Brief von Julia, ihres Zeichens Künstlerin. Voilá ich, hat sie einmal geschrieben und sich gezeichnet. Der Brief ist stoffummäntelt und zugenäht. Ein gülden Gürteltier von ihr und seltsam zaubrische Worte enthält er. Eine Überraschung, die duftet, klingt, befühlt werden kann. Sinnenreiches, Wundersames.

Die Postkästen, Income-Stellen von Welt und Leben. Die Mails, drei Schritte weiter – das Finanzamt will meine Steuern prüfen, jetzt, gleich, sofort dies und das auflisten. Das wird eine Reise mit ungewissem Ausgang. Arbeit. Überraschung, ein kleines, graues Wunder.
Tief durchatmen, die Yoruba-Schützerin füttern, zur Sicherheit. Der Mit-guten-Wünschen-Julia-Brief neben der Schicken-Sie uns-die-genaue-Auflistungs-mail vom Steuerberater. In die Abflachung der Stimmungskurve hinein tanzen sich Monika und Inga, kommen mit Blumen, einem schwarzen Wolf, ihrer Frühlingslaune und einer Reiseüberraschung via Film – zu Urna, den Pferdekopfgeigen, Gesängen und einer uralten, singenden Nomadin. Das Lied von den zwei Pferden.

Ein Tag in Weinrot, Frühlingsgrün, Gold und Grau. Manche Tage sind blau-oliv-schwarz-pink. Andere wieder orange getupft auf Frikassé-Ocker.
Das sind die Lebensflussabschnitte eines Tages, das sind die Stromschnellen, die sonnendurchfluteten Kiesbänke, die engen, schattigen Canyons. Mit schnellen Wechseln. Die Überraschungen der Tage. Und ich als Kanutin nehme mein Wie zu mir. Wie komme ich sicher und kraftvoll durch die Stromschnellen, wie gut gehe ich mit, wenn die Sonnenbänke verlassen werden müssen, wieviel Vertrauen habe ich in mich und das Ganze, wenn es eng wird? Ein gutes Wie wird mich tragen.