Winter erforschen

In einer Rückmeldung zu meinen Wintergedanken erzählt eine, wie schwierig es im Arbeitsleben ist, die Winterqualität zu leben. Das finde ich auch. Zwei Jahre dauerte es bei mir, bis es sich jetzt langsam umsetzt. Es waren jedoch weniger die Ausseneinengungen, als meine eigene Unruhe, meine Bilder wie was sein sollte – Essen, Geschenke, Kontakte, Events – von allem gibt es doch Bilder in uns. Winter lädt ein zu Vereinfachung. Weniger Mediengebrauch, Telefonate, mails, Computer etc., einfacheres Essen, vielleicht in gemeinsamer Absprache den Geschenkewahnsinn beenden. Eine Marmelade, Nüsse, Äpfel, gute Wünsche, etwas von der Ernte des Herbstes könnte doch reichen als Geschenk.
Stille, Alleinsein, Dunkelheit, all das kosten, aushalten. Bei mir waren es weniger die anderen, die Alltagswelt, die den Rückzug unmöglich machten, ich selbst war es vor allem. Wie viel halte ich aus von mir in den langen Nächten? Wie sehr kommt mir die Selbstvermeidung, das Kopfkino und das echte entgegen?
In der Rückmeldung stand auch, wie die Unzufriedenheit mit der Situation nach oben kocht. Das ist doch gut, das ist eine Impulskraft, etwas zu verändern. Manchmal will Unzufriedenheit, Wut, Neid ganz tief gefühlt werden. Sie zeigen mir meine Wünsche, meine Grenzen, das, was nicht stimmt. Und mit unserem Winter, mit der Nordkraft des Lebensrades stimmt in unserer Gesellschaft vieles nicht. Es sind gute, loyale Begleiterinnen, die mich irgendwann etwas verändern lassen, wenn ich mir erlaube, sie zu fühlen, zu sehen, anzuerkennen.