Wieder zurück nach gefühlten mehreren Wochen von einer intensiven Zeit mit vielen Frauen, vielen tiefen, geteilten Geschichten. Immer wieder lerne ich mehr über das, was Bezeugen ist und was es heißt, Zeugin sein zu dürfen, wenn andere mutig ihre Schritte gehen, wenn sie Neues wagen, wenn sie ihre Verletzlichkeit zeigen und sich anderen zumuten. Ich beginne auch zu begreifen, was es mit mir macht, wenn andere meine Schritte bezeugen. Bei den Indigenen, von denen ich lernen durfte, ist es üblich, dass Familien-, Clanangehörige oder sogar die Menschen vom Dorf den Heilsitzungen beiwohnen. Sie wissen, dass sie Teil der Geschichte sind. Dass nie nur eine Person krank ist, sondern immer das ganze System. Und, dass die Heilschritte, die eine Person macht, auch für alle anderen mitgemacht werden. Es ist immer auch eine Ehre, etwas bezeugen zu dürfen.

Das Katalinchen hat sich inzwischen einen frohen Lenz gemacht und mir gesagt, dass sie froh ist, wenn das Clanthema durch ist. Dann könnten wir wieder Spaß haben und müssten nicht dauernd so ernsthafte Angelegenheit durchkauen, die wir eh nicht richtig können und verstehen.

Von den First Nations lernen und es hierher in meinen Alltag bringen, umsetzen, Weisheiten und Methoden hier ausprobieren und leben. Das interessiert mich, das ist ein Teil, warum ich so gerne reise. Ich mag Handwerk, Konkretes und Erfahrungswissenschaften, wie Ökologie und Schamanisches. Ich lerne durch beobachten, wahrnehmen, indem ich es selbst werde, was ich beobachte und ich versuche diese Erfahrung in mein Leben zu integrieren. Die, die mich lehren – die Pflanzen, Tiere, Steine … – werde ich achten, würdigen, weil sie mir zeigen, welche unterschiedlichen Wege es gibt und Möglichkeiten, mit den Herausforderungen des Lebens zurechtzukommen.
Ich BIN das Land, die Bäume, die Erde, die Wälder und Flüsse. Und ich will, dass ich es wirklich verstehe, weiß, fühle, dass es jede Zelle in mir weiß.

Konkret, hier in meinem Dorf, Thema Gemeinschaft. Ich springe zur Wirtschaft und dem Stammtischratsch. Fast alle im Dorf hier sind bei der Feuerwehr, die einen aktiv, die anderen als Förderleute mit acht Euro im Jahr. Dafür werden dann neue Stiefel gekauft oder ein guter Metallschneider, weil die Metallschere die neuen Autobleche nicht mehr gut schneiden kann. Alle Dörfer haben die freiwilligen Feuerwehren, die üben, Scheine machen, Fortbildungen, die am Wochenende und nachts ausrücken, die ich immer dann sehe, wenn wo ein Unfall war. Ich lasse mir gerne die Feuerwehrgeschichten erzählen, weil ich dadurch erst wertschätzen kann, was da die Leute für mich und die Gemeinschaft tun. Und ich ehre sie. Wenn ich den Stefan und die Anni, den Sepp und die Bärbel am Straßenrand stehen sehe im Regen, stundenlang, unentgeltlich und sie den Verkehr umleiten und Menschen bergen, dann ist ein großer Dank da. Dieses Wochenende machen sie wieder eine Zertifizierung für Brandlöschung. Seit Wochen üben sie dafür, weil der Schein extrem schwierig ist.

Wieviele Stunden schenke ich dem Dorf, der Gemeinschaft vor Ort? Ich wäre heute gerne beim Müllsammeln dabei, Flurreinigung. Ich bin aber beim Seminar. Also gilt es wieder, den Menschen zu danken und es wirklich wertzuschätzen, dass sie unterwegs sind und den Tag schenken zum Einsammeln, was andere in den Wald und an den Wegrand werfen oder was der Wind vom Supermarktparkplatz in die Felder weht. Ich überlege mir, wie ich meinen Teil beitragen kann.

Bei den First Nations Kanadas habe ich die Weisheit der Nordwege angeschaut und die uralte Verbindung von schamanischer Weltsicht und Ökologie. Dort in der Wildnis habe ich meine Ängste vor Bären, der Weite, den Herausforderungen anerkennen müssen und auch, wie gefahrenvoll es ist, die uns umgebenden Felder nicht zu kennen, nicht zu verstehen und ihren Gesetzen nicht zu folgen.

In der Wildnis ist Überleben gar nicht anders möglich, als mit dem Land zu verschmelzen und dem zu folgen, was ist – den Gezeiten, den Jahreszeiten, den wilden Herden, den Lachszügen. Die SchamanInnen werden Wolf, Rabe, Bär, Stein, Gras. Indem sie es werden, verstehen sie die Medizin und daraus resultiert ihr Handeln. Die Schamanin spielt nicht Bärin, sie wird Bärin. Das Land selbst lehrt sie, die Tiere und Pflanzen, die Mineralien und die Spirits.
Und ich? Verstehe ich es, mein Land zu werden? Ente, Edelweiß, Rabenkrähe, Gänseblümchen?

Kenne ich mein Totem? Verstehe ich es, tanze ich es, kann ich die Weisheit und Medizin meines Totems in die Gemeinschaft bringen? Ich fange an, die Frühlingspflanzen zu essen, die Bitterstoffe zu kosten und, was sie in mir bewirken. Ich brauche gerade viele Bitterstoffe und die Frühlingspflanzen stellen sie bereit. Ich höre auf die Lieder der Vögel, erkenne manche, horche wie anders die Frühlings- und Locklieder klingen. In der nächsten Inkarnation möchte ich all das ein bisschen früher lernen.

Katalina lacht. Wenn ich jetzt was sage, dann haben wir eine dieser Endlosdiskussionen. Ich sage trotzdem was.
“Du brauchst gar nicht so tun, du bist auch ziemlich dekadent.”
“Ich könnte, wenn ich wollte.” Das ist typisch. “Ich dachte, wir streichen die Konjunktive, wegen des Betrugs, den sie bergen?” “Warum so festgefahren, das war gestern.” Und prompt zitiert Katalina wieder Martina Schwarzmann. “Mia glangt, dass i woaß, dass i kannt wenn i woit.” (Es reicht mir, dass ich weiß, dass ich könnte, wenn ich wollte). Da spricht sie auf einmal sogar bayrisch. “Du könntest nicht.” “Eben doch.” “Glaube ich nicht. Dich muss man zum Jagen tragen.” “hjfcuijrnc …” Jetzt wird es richtig blöd, ich höre hier auf.
Die unmittelbar gelebte Gemeinschaft ist nicht so leicht wie die theoretisch angedachte.

Im Norden des Lebensrades besteige ich meinen Thron. Da bringe ich meine Gaben als Geschenke in die Gemeinschaft. In diesem Frühling spüre ich besonders, was es heißt, die Winterqualität nicht durchlebt zu haben. Der Winter war umtriebig, seltsam arbeitsreich und im Aussen war es eine nur kurze stille Schneezeit. Zu kurz für mich. Es fällt mir jetzt schwerer als sonst, lustvoll im bewegten Frühling anzukommen.
Zu den Gemeinschaften gehört der Nordgeist, der Wintergeist. Wenn eine Gemeinschaft den nicht kennt, wird sie keine gereiften Antworten auf die dringlichen Fragen finden. Den ewigen Kindern des Sommers fällt dann nichts anderes ein als Abwrackprämien, in Kriege zu ziehen vor lauter Wut oder Gier oder all die anderen Entscheidungen unserer Tage. Nachhaltigkeit, Reife, tiefe Ökologie, Gleichgewichte, Verantwortlichkeit, Versöhnlichkeit, all das, was den Wintergeist ausmacht, das fehlt. Wie gereift ist mein Wintergeist? Habe ich meinen Thron wirklich ganz bestiegen, nehme ich meinen Platz ein? Das sind eigentlich keine Frühlingsfragen, aber heute ist das Wetter so, dass es passt.
Es ist in meiner Verantwortung, gut für mich zu sorgen. Genug Rückzug, mich entsprechend nähren, in mich horchen, Entscheidungen treffen, die nicht unbedingt allen gefallen. Ich glaube, dass ich nur dann meinen Platz wirklich gut einnehmen kann. Im Kalender habe ich heute eine Notiz gemacht zum Oktoberende, als Leitfaden für den Winter. Achtung – keine Projekte, wenig Termine, reisefreie Zeit. Ich vergesse es sonst.

Meine Lebenswege haben immer damit zu tun gehabt, weiter und tiefer und wahrer die zu werden, die ich bin und immer mehr Meines zu machen und auch meinen Platz einzunehmen. In tragenden Gemeinschaften braucht es alle, Träumende, Heilkundige, Lehrende und Älteste, welche, die die Kunst des Zuhörens verstehen und welche, die mit Tieren und Pflanzen sprechen. GeschichtenerzählerInnen, Reisende, Forschende, WegbereiterInnen, welche, die bewahren und die, die erneuern und noch vieles mehr. Es braucht all die verschiedenen Gaben. Und klugerweise wertschätzt eine Gemeinschaft auch all die unterschiedlichen Befähigungen. Aaaaaaaah, da beginnt es zu haken.

Ich bleibe mal bei den Ältesten. Sie fehlen. Sie, die initiieren, die ihre großen Lebenswege teilen und zur Verfügung stellen, die gefragt werden können. Und dann wundern wir uns, wenn sich Jugendliche selbst initiieren.
Ich bringe jetzt etwas aus meinem Buch Kunst-Magie-Heilen hierher, weil es etwas für mich sehr Wichtiges beschreibt:

In heilen Gesellschaften trägt das Netz. Es trägt, weil es an wichtigen Knotenpunkten Menschen in bestimmten Funktionen gibt. Das Netz unserer Gesellschaft ist so gefährlich löchrig, weil sie fehlen. Hier kommen die Duct-tape-Leute ins Spiel. Klebeband-Leute. Gewebebänder werden in Notfällen eingesetzt, in der Wildnis, wenn etwas gerissen ist, löchrig, instabil. Duct-tapes sind so stabil, dass sie eventuell das Überleben sichern können, denn sie tragen zumindest bis zum nächsten Basiscamp. Duct-tape-Älteste zum Beispiel würden die Funktion von Ältesten übernehmen, wenn es keine wirklichen Ältesten gibt, sie aber dringend benötigt werden. Es ist wesentlich schwieriger, in einer Funktion zu sein, in die wir nicht hineingewachsen sind oder in die wir nicht initiiert wurden. Es erfordert Mut und Beherztheit, in eine Duct-tape-Rolle zu gehen und in dieser Verantwortung zu übernehmen. Wenn wir beispielsweise eine Gruppe von Kindergartenkindern herumirren sehen, werden wir nicht so sicher und gut mit der Situation umgehen wie eine Kindergärtnerin und dennoch ist es für die Kinder besser, eine Duct-tape-Kindergärtnerin zu haben als gar keine. Die Situation wird herausfordernder sein, anstrengender ob der Ungeübtheit und deshalb verdient es Respekt und Würdigung, weil wir bereit waren, einen wichtigen Platz einzunehmen, Verantwortung zu übernehmen. Ich erlaube mir und allen anderen dabei Fehler zu machen, nicht perfekt zu sein und mich zu ehren dafür. Das fühlt sich ziemlich neu an.
Und jetzt der Katalinensenf:

“Und ich, ich bin hier das Dauergewebeband. Spiegel, Medizinkatze, Kasperl, Einschläferin, Reinigungshinweiserin, alles. Ich ducttape alles. Einfach so, weil ich so vielbegabt bin und auch so großzügig. Ich schreibe keine Rechnung, ich werde nicht überheblich, ich sehe sogar darüber hinweg, dass meine Einkaufszettel ignoriert werden. Ich mache noch nicht mal Workshops und baue mir auch keinen Thron. So richtig gut finden tue ich mich natürlich schon.”

Hoppla, da oben ist das Tantenbild in anderen Farben entstanden. So schnell lösen sich Richtlinien auf.
Duct tape – könnte ein neues Schmuckstück werden.

Clans, Stämme, Tribes, Gemeinschaften – ich habe gesammelt, auf meinen Reisen. In Kirgistan bei den NomadInnen, in Aotearoa-Neuseeland bei den Maori oder in Kanada bei den Haida. Zugeschaut habe ich und gesammelt, was ich für gute Werkzeuge, Methoden erfahren habe. Ich sammle, weil ich selber einen recht spärlich bestückten Werkzeugkoffer habe, als eine, die hier aufgewachsen ist.
Das bisschen habe ich von meiner Familie. Ich bin in einer Großfamilie aufgewachsen, in der ich mich aufgehoben und frei gefühlt habe. Ich habe in einem großen Menschenhaus gelebt, das warm und unkonventionell war, in dem wir gefördert wurden und gut versorgt waren.

Es gibt wohl viele Bedenken, dass wir in Gemeinschaften nicht mehr so sein dürfen, wie wir wollen. Dürfen wir das denn jetzt? Wie individuell darf ich denn sein? In der Schule, der Kleidung, in der Lebensform? Ist es wirklich so frei, jetzt, hier? Ich muss zum Beispiel sesshaft sein. Meine Gypsy-Freundinnen können nicht einfach in ihren Zirkuswägen leben, für die vom fahrenden Volk gibt es wenig Freiheiten. Ich habe mal mit dem Gedanken gespielt, staatenlos zu sein, Indie Nation. Independent. Das wäre ab dann mein Lebensthema, weil es so viel Ärger gäbe und das mit dem Reisen wäre auch vorbei. Also jenseits.

Katalina entwirft schon Lebensgemeinschaftspläne. Sie möchte mit welchen zusammenleben, die über längere Zeiträume ruhig liegen können und gleichmäßig atmen. Sie brauchen das nicht immer tun, es braucht nur die Befähigung und die Bereitschaft dazu, falls sie sich auf eben diese Menschen drauflegt. Welche, die häuslich sind, keine Reisen machen und gerne Leber essen. Oder gerne Leber kaufen. Die Anzahl der Menschen sei ihr egal, sagt sie, bei Tieren bräuchte es Hunde und Katzen nicht. Ein Schwein hätte sie gerne und Pferde. Davon viele. Und ihre Kompromissbereitschaft wäre nicht besonders groß, deshalb mag sie Konsensentscheidungen. Wenn sie Nein sagt, dann geht es nicht.

Gemeinschaften, Angst und Hoffnung? Früher war es ein spielerisches Tümmeln in Kommunen und Wohngemeinschaften. Das Älterwerden könnte wieder etwas von der Lust auf Gemeinschaft bringen, ohne zu wissen, wie es gehen kann. Wie gemeinschaftsfähig bin ich denn? Ist Pippi Langstrumpf zum Beispiel gemeinschaftstauglich? Ich finde sehr.
Es will gelernt sein. Ich will es wählen und mitgestalten können. Ganz Ich sein und ganz Teil der Gemeinschaft. Warum sollte das nicht gehen. Es wird Arbeit sein, klar, es braucht ein behutsames Annähern, ein Hineinwachsen, organisch, prozesshaft. Ich will dafür gehen und das Bild nähren.

Wenn ich etwas verstehen will, rufen, wandeln, dann male ich gerne Bilder davon. Das ist wie eine Übersetzungssprache für mich selbst, damit kann ich mir gut was erklären und es speichert sich nochmal anders ab in mir. Ein Bild für eine gute Gemeinschaftsstruktur ist das Netz. Wie der Kreis sind auch Netze nicht hierarchisch. Die miteinander verwobenen Fäden, die Kunst der Spinnen, das Weben – all das erzählt von einem tragenden Gewebe. Mein Faden ist auch dabei. Wieder ist es ein Faden von vielen und es braucht ihn, wie alle anderen auch. Und das Netz unserer Gemeinschaft? Es ist zutiefst löchrig, es trägt an manchen Stellen nicht mehr.
Ich suche welche, von denen ich etwas über Netze lernen kann. Die Spinnen.
Sie lehren uns das Netzeweben. Sie verstehen etwas von Schwingungen, von Kommunikation, von Verbindungen. Ihre Netze sind flexibel und stabil. Von der Spinnenfrau haben wir das Weben gelernt.

Die Kulthöhlen der Ile-de-France sind voll von Ritzungen mit Netzen. Manche Höhlen sind davon ganz überzogen. Netze, Systemdenken, mich im Netz wissen, mich als Teil des Ganzen verstehen, mir der verschiedensten Verbindungen bewusst werden. World Wide Web, Gitterstrukturen, Webmuster … ich mache mich auf die Netzerspürung.
Gemeinschaft – ich bin eine, der Lebensgemeinschaften, Ökodörfer nicht unbedingt geheuer sind. “Aha,” sagt Katalina,”erste Ansätze von Selbsterkenntnis.” Ich brauche meine Freiheit, dann will ich reisen können, kommen und gehen wie ich will, verrückt sein, anders sein, dann halte ich endlose Gesprächsrunden nicht aus und manches mehr. Das kommt schon noch raus im Laufe der Clan-Blogstrecke.
Ich glaube, dass es erstmal gar nicht darum geht, in Lebensgemeinschaften sein zu müssen, sondern um den Geist von tragenden Gemeinschaften. Ob ich den in mir finde und was ihn ausmacht. Diesen Geist will ich wecken in mir, meinen Platz einnehmen und wissen, dass das, was ich zu geben habe wichtig ist. Dass es meinen Faden braucht, all unsere Fäden braucht und ich mich nicht rausnehme, abgebe, überantworte. Ich will den Geist heiler Gemeinschaften in mir erinnern und rufen.

“Gestern ein Kreis und heute ein Netz und seltsame Fremdwwwwwwwörter wie Anachronismus …, dazu sag ich nichts. Jetzt weiß ich wenigstens, wie ich nerven kann. Ich berufe Teamsitzungen ein, ganz viele und wir diskutieren bis weit in die Nacht und durch die Nacht durch. Zum Beispiel über Ernährung und Freiheit.”

Das mit den Clans, den Gemeinschaften ist ein nicht ganz einfaches Thema. Ich denke, wir haben eine wirklich tragende Gemeinschaft noch gar nicht erfahren. Da gibt es die Familien, die dynastischen Clans, die nicht getragen haben, zu einengend, zu klein waren, selbst versehrt oder mit enormem Aufwand für etwas gehen mussten, das anders ist. Und die große Gemeinschaft, naja, die kennen wir ja. Das Netz ist löchrig und der freie Fall schnell da, vor allem, wenn wir nicht in der Spur laufen, nicht funktionieren. Etliche von uns sind dann im besten Fall geduldete Anachronismen. Also fange ich mal bei der Form an. Der Kreis ist für mich die ideale Form für eine Gruppe.

Es ist eine der ältesten Formen. Wenn ich Hierarchien verabschieden will, dann wähle ich am besten den Kreis als Sitzform. In der Schule, im Team, zu Hause. Im Kreis ums Feuer sitzen, alle sehen alle, alle sitzen in gleicher Wertigkeit im Kreis. Kreise eignen sich nicht, um Hierarchien aufzubauen. Deshalb mag ich sie. Auf dem Boden im Kreis sitzen und wissen, dass ich ein Teil bin, wie alle anderen auch, ein Teil der Gemeinschaft, ein Teil der Geschichte. Meinen Platz im Kreis einnehmen – da sein – meine Gaben zur Verfügung stellen – im Kreis meine ganz eigene Stimme finden – die Verantwortung übernehmen für das, was ich einwebe  - die Anerkennung dem ganzen Kreis geben.

Und Katalina? Sie hat ihren Platz auch gefunden im Kreis. Sie nimmt sich die Närrinnenfreiheit. Das macht sie immer so. “Eine muss in der Mitte sitzen,” sagt sie, “das bin ich. Die Nabe. Und weil ich eine sehr große Katze bin, fülle ich den Kreis gleich ganz aus. So kann ich von allen gesehen werden. Darum ging es doch.” Ob es wirklich klug ist, sie zu dem bedeutenden Thema dazu zu nehmen?

Weil das Thema Gemeinschaften, Clans so stark ist, mache ich eine Strecke im Blog dazu. Viele finden es ziemlich anstrengend, kräftezehrend, teuer, alleine oder in Kleinstgemeinschaften zu leben. Die Tiere sind mit Aufwand gehütet, wenn wir verreisen, alle sind immer für alles zuständig und unsere Geschichten werden nicht mal schnell gemeinsam geteilt, gefeiert, belacht oder beweint. Andererseits sind wir auch etwas ungeübt in großen Gemeinschaften. Ich gehe da mal von mir aus und verallgemeinere. Das ist eine missliche Lage, weil ich glaube, dass wir letztlich nur in tragenden Gemeinschaften überleben können.
Ich will Handwerkszeug zusammenstellen, von dem ich meine, dass es wichtige Teile von heilen, tragenden Clans, Tribes, Gemeinschaften sind.

Die Blogform – ich mixe quadratische Bilder, Wörter und erlaube Katalina, ihren Senf dazuzugeben. Die Idealbesetzung ist sie nicht, weil sie mit Rudeln und Clans nicht viel am Hut hat. Es fehlt ihr diesbezüglich etwas an Kompetenz. Wahrscheinlich weite ich die Erscheinungszeiträume der Artikel großzügig auf drei Tage, weil ich auch drei Farben verwenden werde.

Der Blog wird bebrütet – viele Wegkreuzungen – keine wirkliche Idee. Eigentlich zu viele. Die zündende Idee kann ich gerade nicht herzaubern. Die Bildersprache will ich verändern und weil auch das unklar ist, verzichte ich jetzt auf Bilder. Es ist wie damals, als ich angefangen habe. Wird es da immer eine Ähnlichkeit geben?
Wenn meine Studierenden ihr Projekt nicht griffig bekommen haben, war mein Tipp, sich einen Rahmen zu schaffen im Formalen. Beispielsweise quadratisches Format und schwarz-weiße Bilder. Oder nur Text und Typo. Rosa Schrift auf rosa Grund lockt sehr. Wahlweise Lilablassblau. Ich werde mit mir diskutieren.

Die Jägerin hat die Spur noch nicht aufgenommen. Sie braucht den richtigen Impuls, die Lust, den Duft. Wenn sie irgendwann vor dem Wildschwein steht, dann geht es mir darum, mit ihm zu tanzen. Ich hebe die Nase in die Luft.

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